Risikomanagement: Risikopolitik und Risikostrategien

Konstantinos Kourouklidis
In der themenbezogenen Literatur existiert bislang noch keine einheitliche Bezeichnung zum Teilbereich der Bearbeitung bzw. Behandlung der Risiken des Risikomanagements. So wird zur Behandlung der identifizierten Risiken, bei MC Kinsey der Begriff Risikonahmestrategie verwendet, wohingegen in der ISO 31000 die Bezeichnung Risikobehandlungsstrategie genutzt wird. Des Weiteren existieren von anderen Autoren weitere Bezeichnungen, wie Risikobewältigung oder Risikosteuerung. Hier wird nachfolgend der Begriff Risikobehandlung genutzt.

Risikopolitik wird definiert als Steuerung und Kontrolle der Risikopotenziale [1]. Dabei umfasst das Instrumentarium die Risikoselektion und die Steuerung. Darüber hinaus ist es die Aufgabe der Risikopolitik, weitere Risiken, wie Kapitalanlagerisiken, operationelle Risiken als auch Marktrisiken, zu steuern und zu kontrollieren.

Dabei ist das Ziel die Steuerung und Beeinflussung der bewerteten Risiken, wobei die Hauptaufgabe darin gesehen wird, das Maßnahmenprogramm zu bestimmen und zu ko- ordinieren [2]. Es wird festgelegt, welche Mittel und Verfahren angewendet werden als auch die Grenzen für Erfolg oder kein Erfolg, was als Risikotoleranzgrenze bezeichnet wird.

Das Risikomanagement ist dabei durch die oberste Unternehmensführung zentral in die Unternehmenspolitik zu integrieren, wobei risikobezogene Entscheidungen getroffen werden müssen. Hierbei ist systematisch vorzugehen, denn das nachfolgende Beispiel zeigt, dass die Gefahr der falschen subjektiven Bewertung existiert, denn obgleich z.B. "die Wahrscheinlichkeit, tödlich zu verunglücken, im Straßenverkehr ungleich höher ist als im Flugzeug, fürchten weitaus mehr Menschen das Fliegen als das Autofahren." [3] Nachfolgend wird die Klassifizierung der Maßnahmen betrachtet.


Klassifizierung von risikopolitischen Maßnahmen

Eine Klassifizierung der risikopolitischen Maßnahmen ist daher unerlässlich und erfolgt nach dem Ansatzpunkt der Risikosteuerung, wobei einerseits die Risikoursache bekämpft wird, wie Inspektionen bei Produktionsanlagen, und anderseits die negativen Effekte verringert werden, wie z.B. die Kompensation von Schäden [4]. In der Unternehmenspraxis jedoch wissen Unternehmen nicht immer, welche Risiken sie eingehen sollen und welche nicht, und so existieren immer noch Unternehmen, bei denen sich das Management unkoordiniert und unsystematisch mit den einzelnen Risiken beschäftig [5]

Es gibt vier mögliche Risikobehandlungsstrategien:
  • Risikovermeidung, 
  • Risikoverminderung, 
  • Risikoüberwälzung, 
  • Risikoakzeptanz [6]. 

An dieser Stelle sollen die Begriffe Shareholder sowie Shareholder in die Thematik eingebracht werden, da ein intensiver Zusammenhang zwischen den genannten Ansätzen und der Strategiebildung existiert.

Shareholder versus Stakeholder- Ansatz

In der Literatur existiert eine breite Diskussion bezüglich der beiden Ansätze Shareholder oder Stakeholder. Dabei handelt es sich um Zielbildungs-Alternativen, wobei grundsätzlich beide Ansätze mit der Einsicht verbunden sind, "dass der Zweck von Unternehmen in der Schaffung von Wert zu sehen [ist]." [7] Jedoch unterscheiden sie sich in der Hinsicht, wie Bleicher zunächst formulierte: Es gibt eine monistische Zielrichtung (Shareholder- Ansatz), die sich an die Ziele der Aktionäre ausrichtet, und eine pluralistische Zielrichtung (Stakeholder-Ansatz) die sich für alle beteiligten Gruppen interessiert, die an der Unternehmung beteiligt sind.

Eine Orientierung an einer Vielzahl von Zielen wie die eben beschriebene, zeigt sich jedoch in der Praxis als kaum umsetzbar [8]. Das bedeutet jedoch nicht, dass bei der Umsetzung des Shareholder-Ansatzes, die verschiedenen Anspruchsgruppen, wie z.B. Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter, unberücksichtigt bleiben, denn langfristig können Unternehmen nur bestehen, wenn sie keine der erwähnten Gruppen vernachlässigen.

Daraus resultiert, dass die Unternehmenslandschaft in Deutschland in einem Widerspruch zwischen dem eigentumsorientierten Shareholder-Ansatz und dem vom Gesetzgeber geforderten Stakeholder- Ansatz steht [9]. Nach Auffassung des Autors besteht hierbei die größte Herausforderung, die zu einer langfristigen Sicherung der Unternehmensexistenz führen kann, in einem optimalen Gleichgewicht und der Verfolgung beider Zielrichtungen.

 

Fußnoten:

[1] Vgl. Wirtschaftslexikon, Gabler, wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/risikopolitik.html, Stand: 07/2011
[2] Vgl. Weis U., Risikomanagement nach ISO 31000, 2008, S. 64 f.
[3] Merbecks A., Stegemann U., Frommeyer J., Risikomanagement, 2004, S. 152.
[4] Vgl. Götze U., Henselmann K., Mikus B., (Hrsg.), Risikomanagement, 2001, S. 17.
[5] Vgl. Merbecks A., Stegemann U., Frommeyer J., Risikomanagement, 2004, S. 148.
[6] Vgl. Merbecks A., S. 66 f.
[7] Günter M.-S., Lechner C., Strategisches Management, 2005, S. 244.
[8] Vgl. Hungenberg H., Strategisches Management, 2008, S. 30.
[9] Vgl. Hungenberg H., Strategisches Management, 2008, S. 38.





letzte Änderung W.V.R. am 21.10.2022
Autor:  Konstantinos Kourouklidis
Bild:  Bildagentur PantherMedia / vova130555gmail.com

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